Statistik der Auslandsunternehmenseinheiten (FATS)

Ergebnisse für 2009 im Überblick

Zum Jahresende 2009 waren in Österreich rund 9.000 Unternehmen tätig, deren Eigentümer bzw. Mutterkonzern seinen Sitz im Ausland hatte. Sie beschäftigten im Jahresdurchschnitt etwas mehr als 500.000 Personen (Beschäftigungsverhältnisse) und erwirtschafteten einen Umsatz von rund 186 Mrd. Euro. Gleichzeitig befanden sich im Ausland etwas mehr als 5.000 Unternehmen unter mehrheitlich österreichischer Kontrolle. Diese Auslandstöchter boten knapp 940.000 Personen einen Arbeitsplatz und erreichten 2009 einen Gesamtumsatz von 238 Mrd. Euro.

Während die 9.057 auslandskontrollierten Unternehmen in Österreich

  • nur 3 Prozent der österreichischen Unternehmen im marktwirtschaftlich bestimmten Bereich des Jahres 2009 darstellten (definiert auf Basis des Erfassungsbereichs der österreichischen Leistungs- und Strukturstatistik = ÖNACE-Abschnitte B – N sowie -Abteilung S95),
  • beschäftigten sie 19% (also fast ein Fünftel) der dortigen Beschäftigten und
  • erwirtschafteten etwa ein Drittel (31%) der erfassten Umsatzerlöse,
  • sowie knapp ein Viertel (23%) der gesamten Bruttowertschöpfung
  • und tätigten mehr als die Hälfte (52%) der Forschungsausgaben im Unternehmenssektor.

Die bestimmenden Unternehmenszentralen für österreichische Unternehmen unter ausländischer Kontrolle hatten ihren Sitz hauptsächlich in Deutschland (in 41% der Fälle), der Schweiz (12%), Italien (6%), den USA und den Niederlanden (jeweils 5%) und dem Vereinigten Königreich (4%).

Neben ihren inländischen Tätigkeiten (siehe dazu die jährliche Leistungs- und Strukturstatistik der Statistik Austria) erwirtschafteten in Österreich ansässige Unternehmen durch ihre ausländischen Töchter 2009 Umsätze im Wert von 238 Mrd. Euro. Sie waren dabei hauptsächlich in den EU-Ländern vertreten, wobei hier die „neuen Mitgliedsländer“ eine herausragende Rolle spielen, und zwar die Tschechische Republik und Ungarn mit rund 9% der Auslandstöchter, die Slowakei und Rumänien (rund 5%), sowie Polen (4%). Danach folgt bereits der Beitrittskandidat Kroatien, wo sich nur knapp weniger als 4% aller österreichischen Auslandstochterunternehmen finden. Unter allen Ländern nahm allerdings nach wie vor Deutschland mit knapp 14% der kontrollierenden Auslandsbeteiligungen die Spitzenposition als Zielland österreichischer Auslandsaktivitäten ein.

Vergleich 2008 – 2009

Dem generellen Trend des Krisenjahres 2009 mit tendenzieller Zurückhaltung bei den Auslandsbeteiligungen (sowohl aktiv als auch passiv) bzw. teilweise rückläufigen Wirtschaftsdaten standen im Bereich der FATS-Statistik im Berichtsjahr diverse punktuelle Sondereffekte gegenüber (z.B. Verkauf der österreichischen Luftlinie AUA, Verstaatlichung der Hypo Alpe-Adria, punktuelle Aufwertung der österreichischen Standorte innerhalb der Struktur einzelner internationaler Konzerne etc.).

Während die Anzahl der kontrollierenden grenzüberschreitenden Unternehmensbeteiligungen sowohl auf der Aktivseite (Auslandstöchter inländischer Unternehmen bzw. Investoren), als auch auf der Passivseite (auslandskontrollierte Unternehmen in Österreich) weiterhin anstieg (um 6 bzw. 1%), entwickelten sich die entsprechenden Wirtschaftskennzahlen der beiden Seiten aufgrund der erwähnten Effekte recht unterschiedlich.

Ergebnisse 2008 und 2009 im Vergleich
Größe20082009Veränderung 2008-2009
Auslandskontrollierte Unternehmen in Österreich
Anzahl der Auslandsunternehmenseinheiten8.9259.057+1,5%
Beschäftigte im Jahresdurchschnitt515.629504.021-2,3%
Umsatzerlöse in Mio. EUR215.328185.990-14%
Auslandstöchter inländischer Unternehmen
Anzahl der Auslandsunternehmenseinheiten4.8995.184+6%
Beschäftigte im Jahresdurchschnitt898.975937.691+4%
Umsatzerlöse in Mio. EUR205.424238.005+16%

Die Beschäftigtenanzahl in den auslandskontrollierten Unternehmen in Österreich fiel 2009 – gleichlaufend zur gesamten gewinnorientierten Inlandswirtschaft – um 2% von 516.000 auf 504.000, die Umsätze sogar um 14% von rund 215 auf 186 Mrd. EUR. Noch drastischer zeigte sich die wirtschaftliche Situation 2009 in einem Rückgang der Sachinvestitionen der betroffenen Unternehmen um 30% (-2,5 Mrd. EUR).

In den Auslandstöchtern der österreichischen Unternehmen stieg die Beschäftigtenanzahl hingegen um weitere 4% auf knapp 940.000, die Umsätze (inkl. Handelsumsätze) legten hauptsächlich aufgrund der erwähnten punktuellen Stärkung sogenannter „Brückenköpfe“ (regionale Konzernzentralen mit Auslandstöchtern und Sitz in Österreich) sogar um 16% zu.

Weitere Details

Für weitere Details siehe auf den beiden thematischen Unterseiten zu Inward- und Outward-FATS.

Für internationale Daten sowie Informationen Eurostats zur Auslandsunternehmenseinheitenstatistik siehe „Links“.

Informationen zur Statistik

Eine wesentliche, in der wirtschaftlichen Analyse immer wichtiger werdende Eigenschaft einer nationalen (Volks-)Wirtschaft ist die Verflechtung ihrer Wirtschaftseinheiten mit der übrigen Welt. Diese äußert sich neben dem internationalen Austausch von Waren und Dienstleistungen vor allem in grenzüberschreitenden Unternehmensbeteiligungen. Dies betrifft sowohl die Beteiligungen der Unternehmen eines Landes an Unternehmenseinheiten im Ausland (= „aktive“ Beteiligungen), als auch die Beteiligungen ausländischer Unternehmen (Investoren) im Inland (= „passive“ Beteiligungen). Um dieses Phänomen, das eng mit dem Schlagworten der (wirtschaftlichen) Globalisierung, der Verlagerung von Produktionsressourcen, etc. in Zusammenhang steht, genauer zu beschreiben, werden seit geraumer Zeit Daten über Auslandsbeteiligungen gesammelt und publiziert, insbesondere im Rahmen der Direktinvestitionsstatistiken.

Um die Statistiken verstärkt auf den realwirtschaftlichen Aspekt dieses Phänomens auszurichten und zugleich auf eine international vergleichbare Basis zu stellen, wurde auf EU-Ebene im Jahr 2007 eine Verordnung über Statistiken zu Auslandsunternehmenseinheiten verabschiedet (Verordnung (EG) Nr. 716/2007 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 20. Juni 2007 zu gemeinschaftlichen Statistiken über die Struktur und Tätigkeit von Auslandsunternehmenseinheiten, ABl. 2007 L 171/17). Deren Umsetzung wird in Österreich zusätzlich durch eine nationale Auslandsunternehmenseinheitenstatistik-Verordnung konkretisiert (Verordnung des Bundesministers für Wirtschaft und Arbeit über die Statistik der Struktur und Tätigkeit von Auslandsunternehmenseinheiten (Auslandsunternehmenseinheitenstatistik-Verordnung), BGBl. II Nr. 345/2008). Im internationalen Gebrauch hat sich für diesen Statistikbereich die Bezeichnung „FATS“ etabliert, wobei FATS für „Foreign AffiliaTes Statistics“ steht.

In früheren Jahren wurde diese Statistik –  zumindest in Teilbereichen – von der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) erstellt.

Beginnend mit dem Berichtsjahr 2007, dem ersten laut EU-Verordnung verpflichtenden Berichtsjahr der Auslandsunternehmenseinheitenstatistik, wird die FATS-Statistik nunmehr von der Statistik Austria – weiterhin in enger Zusammenarbeit mit der OeNB – erstellt. Dies gilt sowohl für die „Inward“-, als auch für „Outward“-Richtung:

  • Inward-FATS: in Österreich ansässige Unternehmen, die von ausländischen Einheiten kontrolliert werden („auslandskontrollierte Einheiten“);
  • Outward-FATS: im Ausland ansässige Unternehmen, die von in Österreich ansässigen Einheiten kontrolliert werden („Auslandstöchter“)

Kontrolle bezieht sich dabei – gemäß internationalen Konventionen – auf die Möglichkeit, die allgemeine Unternehmenspolitik eines Unternehmens zu bestimmen, indem gegebenenfalls die Personen der Unternehmensleitung festgelegt werden können. Dies kann durch die Ausübung einer Mehrheit an Stimmrechten, durch die Kontrolle einer Mehrheit von Gesellschaftsanteilen oder durch anderweitig (rechtlich) eingeräumte Möglichkeiten, die Geschäftsführung eines Unternehmens zu bestimmen, geschehen. 
Ausländische Kontrolle liegt vor, wenn die kontrollierende Einheit in einem anderen Land ansässig ist als die Unternehmenseinheit, über die sie die Kontrolle ausübt. 
Es sind dabei sowohl direkte als auch indirekte (das heißt, über weitere, zwischengeschaltete Unternehmenseinheiten ausgeübte) Kontrollbeziehungen zu berücksichtigen. In der FATS-Statistik ist dabei die „letztendliche“ Kontrolle relevant, d.h. als Kontrollland in einer Kette von Kontrollbeziehungen gilt jenes Land, in dem die Unternehmenseinheit (bzw. natürliche Person) ansässig ist, die von keiner weiteren Einheit kontrolliert wird.

In Übereinstimmung mit der europäischen sieht die nationale Verordnung die Erstellung und Übermittlung der jährlichen Auslandsunternehmenseinheitenstatistik 20 Monate nach Ablauf des Berichtszeitraumes vor. Diese Frist trägt dem Umstand Rechnung, dass die Erstellung der FATS-Statistiken aus Gründen der Respondentenentlastung in erster Linie auf der Nutzung anderer Statistiken aufbaut; dies sind insbesondere die jährliche Leistungs- und Strukturerhebung, die F&E-Erhebung (Erhebung über Forschung und experimentelle Entwicklung), sowie die Statistik der Direktinvestitionsbestände. Zusätzlich sind Informationen aus dem nationalen statistischen Unternehmensregister von wesentlicher Bedeutung.

Die Datenübermittlung an Eurostat erfolgt daher jeweils mit Ende August des 2. dem Berichtsjahr folgenden Jahres; dies ist nur wenige Wochen nach Vorliegen der Ergebnisse der Leistungs- und Strukturerhebungen bzw. der F&E-Erhebung (im zweijährigen Rhythmus).

    
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Auslandsunternehmenseinheiten 2009: Hauptergebnisse nach Wirtschaftsbereichen (ÖNACE 2008)HTMLPDFXLSX
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Auslandsunternehmenseinheiten 2007: Hauptergebnisse nach PartnerländernHTMLPDFXLS


Auslandskontrollierte Unternehmen in Österreich und Auslandstochtergesellschaften inländischer Unternehmen 2009 im Vergleich

Beschäftigte in auslandskontrollierten Unternehmen in Österreich und in Auslandstochtergesellschaften inländischer Unternehmen 2009 im Vergleich

Umsatzerlöse in auslandskontrollierten Unternehmen in Österreich und in Auslandstochtergesellschaften inländischer Unternehmen 2009 im Vergleich

Auslandskontrollierte Unternehmen in Österreich und Auslandstochtergesellschaften inländischer Unternehmen 2009: Wirtschaftsstruktur

Auslandskontrollierte Unternehmen in Österreich und Auslandstochtergesellschaften inländischer Unternehmen 2008 im Vergleich

Beschäftigte in auslandskontrollierten Unternehmen in Österreich und in Auslandstochtergesellschaften inländischer Unternehmen 2008 im Vergleich

Umsatzerlöse in auslandskontrollierten Unternehmen in Österreich und in Auslandstochtergesellschaften inländischer Unternehmen 2008 im Vergleich

Auslandskontrollierte Unternehmen in Österreich und Auslandstochtergesellschaften inländischer Unternehmen 2008: Wirtschaftsstruktur


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