Im Rahmen des ESVG 95 Lieferprogrammes werden Ende
März die Staatsausgaben und -einnahmen erstellt. Die Staatsausgaben
werden auch nach COFOG ausgewertet. Die nachfolgende Analyse basiert
somit auf den aktuellsten Entwicklungen.
Staatsausgaben nach Aufgabenbereichen (COFOG-Abteilungen
und Gruppen) 2008-2011, ESVG 1995, Staat, konsolidiert (in Mio. EUR)
Im Jahr 2011 stiegen die Staatsausgaben in der COFOG-Abteilung
01. Allgemeine öffentliche Verwaltung um 33 Mio. Euro an. 2010 waren es
noch 533 Mio. Euro, 2009 780 Mio. Euro gewesen. Das ist zu einem großen
Teil auf eine Steigerung bei den Ausgaben für die BNE-Eigenmittel in
der COFOG-Gruppe 01.1 Oberste Regierungs- und Verwaltungsstellen und gesetzgebende Organe, Finanz- und Steuerverwaltung,
auswärtige Angelegenheiten zurückzuführen. Die Entwicklungen
bei den Ausgaben für die Zinsen (COFOG-Gruppe 01.7) haben ebenfalls
einen großen Einfluss auf die Ausgaben in COFOG-Abteilung 01. Im Jahr
2010 ist auch zu berücksichtigen, dass in dieser COFOG-Abteilung die
Kapitalaufstockungen des Staates bei internationalen Entwicklungsbanken
(COFOG-Gruppe 01.2 Wirtschaftshilfe
für das Ausland) erstmals als Sonstige Vermögenstransfers klassifiziert
werden. Zu beachten ist auch generell, dass die COFOG-Gruppe 01.8 Allgemeine Transfers zwischen verschiedenen staatlichen Ebenen
aus den notwendigen Gegenbuchungen zum Konsolidierungsadjustment (siehe
Erläuterungen) besteht und daher Schwankungen über alle Jahre hinweg
aufweist. Um Verzerrungen in verschiedenen anderen COFOG-Gruppen zu
vermeiden, wurden diese Gegenbuchungen der COFOG-Gruppe 01.8 zugeordnet.
Bei den Ausgaben in der COFOG-Gruppe 02.1 Militärische Verteidigung fällt der Rückgang im Ausmaß
von 532 Mio. Euro im Jahr 2009 und im Ausmaß von 109 Mio. Euro im Jahr
2010 auf. Dieser ist durch die periodengerechte Darstellung der Ausgaben
für die Eurofighter in den Jahren 2007 bis 2009 erklärbar.
In der COFOG-Gruppe 04.5 Verkehr stiegen die Ausgaben um 572 Mio. Euro im Jahr 2011.
Dies ist auf höhere Investitionszuschüsse des Bundes für den Schienenverkehr
zurückzuführen. Im Jahr 2009 ist ein Rückgang von 453 Mio. Euro in
dieser COFOG-Gruppe zu beobachten. Dieser ist durch die erhöhten 2008er-Werte
aufgrund der Einmalzahlungen des Bundes für die AUA (verbucht als Sonstige
Vermögenstransfers) erklärbar. Der markante Anstieg in der COFOG-Gruppe 04.9 Wirtschaftliche
Angelegenheiten im Jahr 2010 um 1,5 Mrd. Euro ist auf die Zuschüsse
des Bundes an die KA-Finanz AG und die Hypo Alpe Adria Bank AG zurückzuführen.
Im Jahr 2011 ist hier vor allem die Abschreibung des Partizipationskapitals
bei der Hypo Alpe Adria Bank AG enthalten.
In der COFOG-Gruppe 05.3 Vermeidung und Beseitigung von Umweltverunreinigungen ist
2011 ein Rückgang um 56 Mio. Euro zu beobachten. Dies ist bedingt durch
einen Rückgang bei den Investitionszuschüssen. Im Jahr 2010 setzte
sich das hohe Ausgabenniveau von 2009 fort. Dies ist – ebenso wie
der Anstieg der Ausgaben von 2008 auf 2009 in dieser COFOG-Gruppe (+225 Mio. Euro)
– großteils auf vermehrte Ausgaben für den Ankauf von Emissionszertifikaten
in Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländern zurückzuführen. Ein
weiterer Grund sind gestiegene Investitionszuschüsse des Bundes in
den Jahren 2009 und 2010. Ferner sind für den Anstieg 2009 auch die
Ausgaben für die Verschrottungsprämie verantwortlich.
In der COFOG-Gruppe 06.1 Wohnungswesen ist 2011 ein Rückgang der Ausgaben um 55 Mio. Euro
zu sehen. Ein höherer Anstieg der Ausgaben in dieser COFOG-Gruppe ist
hingegen in den Jahren 2010 (+122 Mio. Euro) und 2009 (+163 Mio. Euro) zu
beobachten. Dies ist hauptsächlich auf erhöhte Ausgaben bei der Förderung
der Wohnhaussanierung im Jahr 2009 und auf vermehrte Ausgaben für Wohnbauförderung
im Jahr 2010 zurückzuführen.
Bei den Ausgaben in COFOG-Abteilung 07. Gesundheitswesen
findet sich eine Erhöhung von 2,1% im Jahr 2011. Dies ist auch auf
die Steigerung von 1,5% in COFOG-Gruppe 07.3 Stationäre Behandlung im Jahr 2011 zurückzuführen. Die
Entwicklung in dieser COFOG-Gruppe im Jahr 2011 ist dadurch bedingt,
dass das Ausmaß der Schuldenübernahme für die Spitalsfinanzierung
geringer ausfiel. Der erstmalige Rückgang der Ausgaben in der COFOG-Gruppe 07.1 Medizinische Erzeugnisse,
Geräte und Ausrüstungen im Jahr 2009 um 142 Mio. Euro beruht
auf der Senkung der Mehrwertsteuer auf Medikamente.
In der COFOG-Abteilung 09. Bildungswesen ist im Jahr
2011 eine Erhöhung der Ausgaben um 1,8% zu sehen. Im Jahr 2010 stiegen
die Ausgaben in der COFOG-Gruppe 09.1 Elementar- und Primärbereich (+4,6%) und in der COFOG-Gruppe 09.2 Sekundarbereich (+1,4%) geringer als 2008 und 2009. Diese
Entwicklungen im Jahr 2010 gehen vor allem auf nur gering steigende
Ausgaben bei den Kindergärten und den Allgemeinbildenden Pflichtschulen
zurück.
Ein Anstieg der Ausgaben um 878 Mio. Euro ist 2011 in
der COFOG-Abteilung 10. Soziale Sicherung zu beobachten. 1,1 Mrd. Euro
betrug die Steigerung 2011 in der COFOG-Gruppe 10.2 Alter, welche zu einem großen Teil auf den Anstieg bei
den Alterspensionen zurückzuführen ist. Stärkere Rückgänge bei
den Ausgaben sind im Jahr 2011 in den COFOG-Gruppen 10.4 Familien und Kinder und 10.5 Arbeitslosigkeit zu finden. Die Ausgaben in der COFOG-Gruppe
10.4 Familien und Kinder sanken im Jahr 2011 um 362 Mio. Euro. Dies ist vor allem durch
den Rückgang bei den Zahlungen für Familienbeihilfen erklärbar. Die
Ursachen dafür liegen in Konsolidierungsmaßnahmen wie z. B. der Reduzierung
der 13. Familienbeihilfe oder der Zahlung der Familienbeihilfe nur bis
zum 24. Lebensjahr. Im Jahr 2009 ist in dieser COFOG-Gruppe eine stärkere
Steigerung (+302 Mio. Euro) zu beobachten, die großteils durch den Anstieg
bei den Steuererstattungen für Kinderabsetzbeträge verursacht wurde.
Die Ausgaben in der COFOG-Gruppe 10.5 Arbeitslosigkeit sanken im
Jahr 2011 um 97 Mio. Euro. Dies ist auf einen Rückgang bei den Ausgaben
für Arbeitslosengeld in diesem Jahr zurückzuführen. Im Jahr 2010
ist in dieser COFOG-Gruppe eine Steigerung um 234 Mio. Euro zu finden.
Diese Entwicklung ist zu einem großen Teil auf einen Anstieg bei den
Ausgaben für Notstandshilfe zurückzuführen. Im Jahr 2009 ist mit
+26,0% ein starker Anstieg der Ausgaben in dieser COFOG-Gruppe zu beobachten.
Dieser beruht hauptsächlich auf den gestiegenen Ausgaben für Arbeitslosengeld
und Notstandshilfe in diesem Jahr.
Die Entwicklungen in den jeweiligen COFOG-Gruppen
führten zu einem Anstieg der Ausgaben in der COFOG-Abteilung 10. Soziale
Sicherung um 1,4% von 2010 auf 2011.
Staatsausgaben nach Aufgabenbereichen (COFOG-Abteilungen)
2008-2011, ESVG 1995, Staat, konsolidiert (in % der Staatsausgaben insgesamt)
Für den prozentuellen Anteil der COFOG-Abteilungen
an den Staatsausgaben insgesamt ist neben den beschriebenen Entwicklungen
bei den einzelnen Abteilungen und Gruppen auch die jährliche Steigerung
der einzelnen Abteilungen im Verhältnis zum jährlichen Anstieg bei
den Staatsausgaben insgesamt relevant. So bewirkte der Anstieg in der
COFOG-Abteilung 10. Soziale Sicherung um 878 Mio. Euro im Jahr 2011 eine
Erhöhung um 0,2 Prozentpunkte im Vergleich mit 2010, da die Staatsausgaben
insgesamt im Jahr 2011 um 1,5 Mrd. Euro anstiegen. Der Rückgang der Ausgaben
in der COFOG-Abteilung 04. Wirtschaftliche Angelegenheiten um 384 Mio. Euro
im Jahr 2011 führte zu einem Rückgang um 0,4 Prozentpunkte im Vergleich
zu 2010. Ferner wirkte sich die nur geringe Steigerung (+33 Mio. Euro)
in der COFOG-Abteilung 01. Allgemeine öffentliche Verwaltung im Jahr
2011 in einem Rückgang um 0,1 Prozentpunkte aus.
Erläuterungen
Konsolidierungsadjustment
Die Darstellung der Ausgaben und Einnahmen des gesamten
Sektors Staat erfolgt „konsolidiert“, d.h. intergovernmentale Ströme
werden ausgeblendet. Um durch diese „Konsolidierung“ den Finanzierungssaldo
nicht zu ändern, müssen die intergovernmentalen Ausgaben den intergovernmentalen
Einnahmen exakt entsprechen. Da dies in der Praxis nicht der Fall ist,
erfolgt ein Ausgleichsmechanismus: Auf der nächst höheren Transaktionsklassenebene
werden die Relationen „Laufende Transfers innerhalb des Staatsektors“
zu „Übrige laufende Transfers“ bzw. „Investitionszuschüsse“
zu „Sonstige Vermögenstransfers“ soweit adjustiert, dass eine anschließende
Konsolidierung erfolgen kann. Dies wird als „Konsolidierungsadjustment“
bezeichnet.